Klassische Musik
Carl Schuricht

Carl Schuricht (1880-1967) zählt zu den grossen Dirigenten des 20. Jahrhunderts. In Danzig in einer Familie von Orgelbauern geboren, ausgebildet unter anderem bei Max Reger und Engelbert Humperdinck, leitete er viele Jahre das Musikleben von Wiesbaden. Unter dem Nationalsozialismus verteidigte er seine jüdischen Musiker und hielt Mendelssohn und Hindemith auf seinen Programmen; bedroht, verliess er Deutschland 1944, um in die Schweiz zu flüchten. Er heiratete die Luzernerin Martha Banz und liess sich an der Riviera nieder, in Corseaux oberhalb von Vevey. Als gefragter Gastdirigent, Beethoven und Bruckner verbunden, trat er bis ins hohe Alter in ganz Europa auf und starb 1967 in Corseaux.
Carl Schuricht: einundsechzigmal an der Spitze des Orchestre de la Suisse Romande
Ein Dirigent, der das Alter nicht spürte
In sechzehn Jahren dirigierte Carl Schuricht das Orchestre de la Suisse Romande einundsechzigmal, ohne dass ihm das Alter je etwas anzuhaben schien. Die eindrücklichste Erinnerung bleibt das Konzert vom 1. Dezember 1954 im Pavillon de Montreux, wo er Beethovens Neunte Sinfonie mit hundertzwanzig Sängerinnen und Sängern aus Chailly und La Tour-de-Peilz dirigierte, einstudiert von Robert Mermoud: Seine Art, sich der Mitwirkung von Musikern und Chor zu versichern, verlieh der „Ode an die Freude“ einen unvergesslichen Glanz. Zum Dank überreichten ihm die Sänger eine Urkunde, die ihre Dankbarkeit ausdrückte.
Sein letztes Konzert dirigierte er 1965 in Paris: Carl Schuricht war da fünfundachtzig Jahre alt, und das Werk war wieder einmal die Neunte.
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