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Klassische Musik

Clara Haskil

Clara Haskil
Clara Haskil am Klavier, unter der Beethoven-Büste.

Clara Haskil (1895-1960) zählt zu den grössten Pianistinnen des 20. Jahrhunderts, gefeiert vor allem für ihren Mozart. In Bukarest in eine jüdische Familie geboren, als Wunderkind am Klavier wie an der Geige, verlief ihre Laufbahn gehemmt durch fragile Gesundheit und durch erhebliches Lampenfieber, das bereits 1920 auftrat. Auf der Flucht vor dem Krieg fand sie Ende 1942 Zuflucht in der Schweiz und liess sich in Vevey nieder, wo sie die letzten achtzehn Jahre ihres Lebens verbringen sollte: zunächst an der Rue de Lausanne, dann im ehemaligen Hôtel d’Angleterre am Quai Perdonnet, dazu ein gemietetes Chalet in Cornaux Richtung Montreux. 1949 in der Schweiz eingebürgert, starb sie 1960 in Brüssel. Die Riviera hat sie nicht vergessen: Alle zwei Jahre richtet Vevey den internationalen Klavierwettbewerb aus, der ihren Namen trägt.

Clara Haskil: Exil, Lampenfieber und Chaplins Klavier

Die Flucht an die Riviera

Clara Haskil kam als Flüchtling an die Riviera. In Bukarest in eine jüdische Familie geboren, floh sie aus dem besetzten Frankreich und gelangte Ende 1942 in die Schweiz. Sie war siebenundvierzig, mit einer Laufbahn, die nie in Gang gekommen war.

Sie liess sich in Vevey nieder und sollte nicht mehr fortgehen: zunächst an der Rue de Lausanne, dann im ehemaligen Hôtel d’Angleterre am Quai Perdonnet. Zudem mietete sie ein Chalet in Cornaux Richtung Montreux. 1949 eingebürgert, verbrachte sie hier die letzten achtzehn Jahre ihres Lebens.

Ein Leben gegen den eigenen Körper

Als Wunderkind am Klavier wie an der Geige, in Wien bei Richard Robert ausgebildet, dem Lehrer von Rudolf Serkin und George Szell, und kurzzeitig bei Ferruccio Busoni, hatte Clara Haskil alles für eine glanzvolle Laufbahn.

Sie hatte keine. Fragile Gesundheit, wiederkehrende Krankheiten und ein erhebliches Lampenfieber, das bereits 1920 auftrat, versperrten ihr lange den Weg zu öffentlichem und finanziellem Erfolg. Die eigentliche Anerkennung kam erst in ihren letzten Jahren, als ihr Mozart sich als absolute Referenz durchsetzte.

Die Abende im Manoir de Ban

In Vevey fand Clara Haskil eine unerwartete Freundschaft: jene von Charlie Chaplin, der seit 1952 im Manoir de Ban wohnte. Er lud sie oft an seinen Tisch, besonders zu Weihnachten, und liess einen Steinway in seiner Villa aufstellen, damit sie nach dem Essen spielen konnte.

Chaplin hatte sich gerade ein hochwertiges Tonbandgerät zugelegt. Er nutzte es, um diese Abende aufzuzeichnen: Auf den Bändern hört man Clara Haskil Schumanns „Kinderszenen“, „Der Kuckuck“ von Louis Daquin, zwei Scarlatti-Sonaten und das Largo aus Beethovens Siebter Sonate spielen. Die Bänder fingen auch Gesprächsfetzen der Gäste ein, die einzigen bekannten Aufnahmen der Stimme der Pianistin.

Über seine Freundin sagte Chaplin: „Ich habe in meinem Leben drei Genies gekannt: Clara Haskil, Professor Albert Einstein und Sir Winston Churchill.“ Ihr Tod mit fünfundsechzig traf ihn schwer.

Was an der Riviera geblieben ist

Der in Vevey gegründete Internationale Clara-Haskil-Klavierwettbewerb findet alle zwei Jahre statt und zählt zu den anspruchsvollsten der Welt. Eine Silhouette des Wegs „Rencontres & Inspiration“ steht am Quai Perdonnet, vor dem Haus, in dem sie lebte.

Das Manoir de Ban, wo sie für Chaplin spielte, wurde 2016 zum Museum Chaplin’s World. Sie starb am 7. Dezember 1960 in Brüssel, am Vorabend eines Konzerts.

Zugehörige Orte

  • Chaplin’s World, Manoir de BanMuseum / Wohnsitz von Charlie ChaplinOrt öffnen →
    Chaplin’s World, Manoir de Ban
    © Visit Montreux

    Das Haus, in dem Charlie Chaplin seine letzten fünfundzwanzig Jahre verbrachte. Sein Sohn Eugène wuchs hier auf, bevor er Toningenieur in den Mountain Studios in Montreux wurde.

  • Silhouette de Clara HaskilSilhouette „Rencontres & Inspiration“Ort öffnen →

    An den Quais von Vevey erinnert eine Silhouette an die Pianistin, die hier von 1942 bis zu ihrem Tod lebte und deren internationaler Wettbewerb noch immer ihren Namen trägt.