Von Montreux in die amerikanischen Clubs
Patrick Juvet wurde am 21. August 1950 in Montreux geboren. Model, bevor er Sänger war, traf er Anfang der 1970er-Jahre den französischen Komponisten Jean-Michel Jarre: Ihre Zusammenarbeit begann mit dem Album „Love“ (1973) und gipfelte 1977 in „Paris by Night“, das „Où sont les femmes?“ enthält.
Es folgte die Eroberung Amerikas mit den Disco-Titeln „Got a Feeling“ und „I Love America“. Innerhalb weniger Jahre stand ein an der Waadtländer Riviera geborener Junge an der Spitze der New Yorker Tanzflächen.
Die Rückkehr in die Heimat, ins Studio von Queen
Als die Disco-Zeit vorbei war, kehrte Juvet dorthin zurück, wo er geboren wurde, um aufzunehmen. Die Gesangssessions für das Album „Still Alive“ (1980) entstanden in den Mountain Studios in Montreux.
Im Jahr darauf kehrte er für eine ganze Platte zurück: „Rêves immoraux“ wurde im September und Oktober 1981 in den Mountain Studios aufgenommen, die damals Queen gehörten. Für die Produktion sorgte David Richards, der Haustoningenieur, ebenjener, der die Alben von Queen koproduzierte und mit David Bowie arbeitete, mit dem Juvet bereits zusammengearbeitet hatte.
Die Platte erschien 1982 bei Barclay.
„Rêves immoraux“: ein von Dabadie geschriebener Skandal
Für den Titelsong komponierte Juvet die Musik und wandte sich an Jean-Loup Dabadie, einen der grossen französischen Textdichter. Nach zwei verworfenen Anläufen schrieb Dabadie nach den Vorgaben des Sängers einen Text über Bisexualität, ganz aus Traumbildern und verbotenem Begehren.
Die Single erschien im Frühjahr 1982. Trotz starker Radiopräsenz sorgte ihr Inhalt für einen Skandal, dabei hatte Frankreich Homosexualität gerade erst entkriminalisiert. Sie erreichte Platz 42 der französischen Charts, verkaufte sich rund 65 000 Mal und hielt sich neun Wochen in der Hitparade, vom 18. April bis 13. Juni 1982.
Diese im Studio von Queen in Montreux entstandene Platte bleibt eine der persönlichsten seiner Laufbahn.
Was in Montreux geblieben ist
Sein Haus stand im Vallon de Villard, oberhalb von Montreux. Er nahm in den Mountain Studios auf, aus denen inzwischen die Ausstellung Queen: The Studio Experience geworden ist.
Drei Reportagen des RTS, 1977 und 1978 gedreht, zeigen ihn ganz am Anfang seiner Laufbahn. Er starb am 1. April 2021 in Barcelona im Alter von 70 Jahren.