Jazz, Soul & Blues
Miles Davis

Der Trompeter Miles Davis (1926-1991) war einer der Künstler, die dem Montreux Jazz Festival am engsten verbunden waren, wo er zehnmal auftrat und eine tiefe Freundschaft mit Claude Nobs aufbaute. Sein allerletztes Konzert fand im Juli 1991 in Montreux statt: Dort ließ er sich (für ihn eine Seltenheit) darauf ein, sein von Gil Evans arrangiertes Repertoire der 1960er-Jahre unter der Leitung von Quincy Jones erneut zu spielen, ein bewegender Abschied, aufgenommen wenige Wochen vor seinem Tod. Die Stadt ehrt sein Andenken mit einer Büste am Seeufer, den Alpen zugewandt, und mit der Miles Davis Hall, einem der emblematischen Säle des Festivals. Eine seiner Trompeten ist zudem seit 1990 im Restaurant La Rouvenaz ausgestellt, wo Fans sie sehen kommen, obwohl er selbst dort nie speiste.
Miles Davis in Montreux: achtzehn Jahre Treue und ein Abschied
Das erste Mal
Miles Davis betrat 1973 zum ersten Mal eine Montreuxer Bühne. Er befand sich damals mitten in seiner elektrischen Periode, der verstörendsten seiner Laufbahn, jener, die die Kritik spaltete und einen Teil des Jazzpublikums vertrieb.
Claude Nobs programmierte ihn dennoch, und sollte ihn wieder programmieren. Es war der Beginn einer achtzehnjährigen Beziehung aus regelmässiger Wiederkehr und echter Freundschaft zwischen dem Trompeter und dem Festivalgründer, begleitet von regelmässiger Wiederkehr bis zu seinem letzten Konzert.
Ihre Verbundenheit reicht noch weiter zurück. 1964, am Newport-Festival, trug Claude Nobs, damals unbekannt, ein besticktes Folklorehemd, das er aus Tunesien mitgebracht hatte. „Hey man, that’s a nice shirt“, sagte Miles Davis. Nobs zog es sofort aus und schenkte es ihm, mit nacktem Oberkörper. „This is the first time anybody gives me his shirt, off his back“, antwortete der Trompeter verblüfft. Claude Nobs erzählte die Szene in „Le petit prince du jazz“ (Le Matin, Gespräch mit Peter Rothenbühler, 2011).
Ihre Freundschaft reichte bis 1964 zurück. In Newport trug Claude Nobs, damals noch unbekannt, ein besticktes Hemd aus Tunesien, das Miles Davis auffiel: „Nice shirt.“ Nobs zog es sofort aus und schenkte es ihm, mit nacktem Oberkörper. „Das ist das erste Mal, dass mir jemand sein Hemd gibt“, staunte der Trompeter (Claude Nobs, „Le petit prince du jazz“, Le Matin, 2011).
8. Juli 1991: was er seit dreissig Jahren ablehnte
Miles Davis hatte eine Regel: niemals zurückblicken. Er spielte sein altes Repertoire nicht erneut, lehnte Nostalgie ab und hatte das jahrzehntelang immer wieder gesagt.
Es brauchte Quincy Jones und Claude Nobs gemeinsam, um ihn zu überzeugen, einmal davon abzuweichen. Der Anlass: eine Hommage an Gil Evans, den Arrangeur, mit dem er seine orchestralen Meisterwerke geschaffen hatte und der 1988 gestorben war. Am 8. Juli 1991 spielte Miles Davis also erneut die Arrangements, die Evans Ende der 1950er- und Anfang der 1960er-Jahre geschrieben hatte, jene von „Miles Ahead“ (1957), „Porgy and Bess“ (1959) und „Sketches of Spain“ (1960).
Quincy Jones dirigierte das Orchester. Es war das erste und einzige Mal in ihrem Leben, dass die beiden Männer eine Bühne teilten.
Es war zugleich Miles Davis’ letzter Auftritt in Montreux. Er starb am 28. September 1991, keine drei Monate später.
Die Platte und ein siebter Grammy
Das Konzert war aufgezeichnet worden. Es erschien 1993 bei Warner Bros. unter dem Titel „Miles & Quincy Live at Montreux“, zwei Jahre nach dem Tod des Trompeters.
Die Platte brachte Miles Davis seinen siebten Grammy Award ein, in der Kategorie beste Darbietung eines grossen Jazzensembles. Ein beinahe zufällig auf einer Schweizer Bühne festgehaltener Abschied wurde so zu einem seiner meistausgezeichneten Alben.
Zugehörige Orte
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© Visit Montreux Hommage an den legendären Trompeter, eine zentrale Figur des Montreux Jazz Festival, vom Montreuxer Bildhauer Bernard Bavaud.
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Foto folgtDer legendäre zweite Saal des Festivals, benannt zu Ehren des Montreux so treuen Trompeters.
▸Montreux Jazz FestivalFestival / Kongresszentrum 2M2COrt öffnen →

© Visit Montreux Das Herz des Festivals seit 1993: unter einem Dach das Auditorium Stravinski und die Säle, die jeden Sommer die halbe Musikgeschichte empfangen.
▸La RouvenazRestaurantOrt öffnen →

Das italienische Restaurant, in dem Queen ass und Freddie Mercury seinen Tisch hatte: Nummer 19.




