Wie Claude Nobs die Amerikaner herholte
Um 1970 hatte ein drei Jahre altes Schweizer Festival keinerlei Anspruch auf die Stars des Atlantic-Labels. Claude Nobs erreichte es, indem er sie selbst holte: Er reiste nach New York, traf Nesuhi Ertegün, den Chef von Atlantic, und überzeugte die Plattenfirma, ihre Künstler an den Genfersee zu schicken.
Auf diesem Weg entdeckten Roberta Flack und später Aretha Franklin Montreux. Nobs erzählte gern von seinen Gastgeberkünsten, der Einladung zu sich nach Hause, dem Fondue, der Schweizer Schokolade für die Künstler, die für den Ruf des Festivals ebenso viel taten wie die Gagen.
Das letzte Konzert mit King Curtis
Am 12. Juni 1971 betrat Aretha Franklin die Bühne des Casino de Montreux. Begleitet wurde sie von King Curtis and the Kingpins, der Band jenes Saxofonisten, der damals ihre Bühnenformation leitete.
Dieses Konzert sollte Aretha Franklins letzter Live-Auftritt mit King Curtis bleiben. Am 13. August 1971, zwei Monate später, wurde der Saxofonist vor seinem Haus in New York erstochen. Er war siebenunddreissig.
Das Programm jenes Abends mischte ihre grossen Erfolge mit Coverversionen der Zeit, darunter „Reach Out and Touch (Somebody’s Hand)“ von Diana Ross und „Bridge Over Troubled Water“ von Simon and Garfunkel.
Ein Saal, der bald verschwinden sollte
Das Konzert fand im ursprünglichen Casino von Montreux statt, jenem, das am 4. Dezember 1971, keine sechs Monate später, während des Konzerts von Frank Zappa abbrannte. Aretha Franklin gehört damit zu den letzten grossen Namen, die in diesem Saal gesungen haben.
Ihre von Marco Zeno geschaffene und von Barbara J. Riley Claude Nobs geschenkte Büste steht heute im Garten des Montreux Palace, unter jenen der Künstlerinnen und Künstler, die Nobs in die Stadt geholt hatte. Als erste Frau in der Rock and Roll Hall of Fame bleibt sie eine der einflussreichsten Stimmen des 20. Jahrhunderts.